Warum ältere Menschen anfälliger für Alzheimer sind

In der Bundesrepublik Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Bei etwa 75% wurde der Demenz-Typ „Alzheimer“ diagnostiziert, der damit die am weitesten verbreitete Demenzerkrankung darstellt. Experten erwarten, dass die Zahl der Erkrankten, die hauptsächlich der älteren Generation angehören, weiter zunimmt. 

Eine schleichende, bislang unheilbare Erkrankung

Alzheimer ist eine progressive Erkrankung des Gehirns. Sie äußert sich durch eine kontinuierliche Einbuße der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Zudem verändert sich, weit über den normalen Alterungsprozess hinaus, die Persönlichkeit des Betroffenen. Die Symptome sind unter anderem Gedächtnis-, Orientierungs- und Sprachstörungen sowie Störungen des Urteilsvermögens.

Die Neurowissenschaften forschen unter anderem nach Ursachen und Heilungsmöglichkeiten von Nervenkrankheiten. Trotz langjähriger, intensiver Bemühungen ist jedoch die Entstehung von Alzheimer bis dato noch nicht bis ins Letzte geklärt. Benannt wurde die Krankheit nach Alois Alzheimer. Er arbeitete als Oberarzt am psychiatrischen Universitätsklinikum in Frankfurt und verfasste einen Aufsatz über die „eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“. 

Frühwarnfaktoren ernst nehmen

Eine Alzheimer-Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen, gestaltet sich schwierig, denn sie läuft nicht nach einem vorgegebenen und leicht durchschauten Muster ab. Dennoch gibt es eine Reihe von Erkennungsmerkmalen, auf die man achten sollte. Grundsätzlich gilt, dass sich sämtliche Symptome im Verlauf der Erkrankung verstärken. Das führt dazu, dass die Betroffenen, die anfangs ihren Alltag noch allein bewältigen konnten, nach und nach ihre Autonomie verlieren und hilfs- beziehungsweise pflegebedürftig werden. 

In einer Checkliste der möglichen Erkennungsmerkmale von Alzheimer steht die Vergesslichkeit obenan: Sie kann sich beeinträchtigend auf den Alltag auswirken. Das gilt insbesondere dann, wenn das Kurzzeitgedächtnis verlorengeht und der Erkrankte sich nicht an jüngste Ereignisse erinnern kann. Auch Schwierigkeiten, Probleme zu lösen, zeitliche und örtliche Desorientierung sowie Sprachprobleme können auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen. Diese kann auch ursächlich dafür sein, wenn sich die betroffene Person immer mehr aus dem sozialen Leben zurückzieht oder sich ihre Persönlichkeit in auffälliger Weise verändert. 

Sollten solche Warnzeichen vorliegen, empfiehlt es sich, sobald wie möglich einen Arzt aufzusuchen: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser. Zwar ist die Krankheit nicht heilbar, doch stehen Medikamente zur Verfügung, die sich in einem frühen Stadium der Krankheit positiv auswirken.

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Weshalb sind ältere Menschen anfälliger für Alzheimer?

Ältere Menschen sind, wie bereits erwähnt, am häufigsten von Alzheimer betroffen. Wie Laboruntersuchungen ergaben, ist eine mögliche Ursache dafür der Tatsache zuzuschreiben, dass die Ausbreitung von Tau-Proteinen, mit ursächlich für die Entstehung der Krankheit, in einem alternden Hirn rasanter fortschreitet als in einem jüngeren. 

Zwei verschiedene Eiweißablagerungen, „Amyloid-beta-Plaques“ und Tau-Neurofibrillen, sind an der Alzheimer-Erkrankung beteiligt. An den Tau-Neurofibrillen, die zuerst in den Gedächtniszellen und dann in anderen Bereichen des Hirns auftreten, lässt sich der Krankheitsverlauf gut ablesen. Vermutlich hängt die Ausbreitung der Krankheit mit der Bewegung von Tau-Proteinen (oder deren Aggregate) entlang der Nervenbahnen zusammen. 

Die Rolle des Alters bei der Ausbreitung der Krankheit

Der Frage, welche Bedeutung das Alter bei den erwähnten Ausbreitungsprozessen einnimmt, einnimmt, spürte ein Team von Wissenschaftler nach. Denn wenn sich nachweisen ließe, dass sich Tau in den Hirnen älterer Menschen schneller ausbreitet als bei jüngeren, könnte dies erklären, weshalb Senioren in erster Linie von der Krankheit betroffen sind. Die Wissenschaftler bedienten sich bei ihrem Versuch eines Virus. Mit dessen Hilfe gelangte der Bauplan des humanen Tau-Proteins in die Hirne von Mäusen. Erwartungsgemäß produzierten einige Zellen nach einiger Zeit das Protein. Eine Untersuchung nach zwölf Wochen ergab, dass sich die Tau-Proteine bei älteren Mäusen wesentlich schneller verbreiteten als bei jüngeren. 

Das Tau-Protein wechselt seine Gestalt und verklumpt

Im Rahmen des beschriebenen Versuchs konnten die Forscher zudem genauer analysieren, wie sich das Protein ausbreitet, das in sämtlichen Nervenzellen des Hirns zu finden ist. Bei Alzheimer verändert sich seine ursprünglich gesunde lösliche Form krankhaft und es setzt die Verklumpung zu Fibrillen ein. Die Forschungsergebnisse belegen, dass nicht, wie bis dahin angenommen, krankhaftes Tau-Protein von einer Nervenzelle zur anderen „wandert“. Vielmehr wird auch die gesunde Form des Proteins im Gehirn verbreitet. Die Verstärkung dieses Prozesses im Alter kann dazu führen, dass Zellen auch dadurch angegriffen werden – also Zellen, die mit viel gesundem Protein versorgt werden und es speichern. 

Die Wissenschaftler gewannen wertvolle Erkenntnisse aus dem Versuch, die aber auch zu neuen Fragen führten. So steht beispielsweise noch zur Klärung an, worauf die verstärkte Ausbreitung von Tau im Gehirn alter Menschen zurückzuführen ist – und ob übermäßig Tau-Proteine hergestellt oder beschädigte Eiweiße in zu geringem Umfang abgebaut werden. Sollte es gelingen, diese Fragen eindeutig zu beantworten, könnte dies langfristig neue Behandlungsmöglichkeiten schaffen.


Alzheimer und die Rolle des Alters

Mehr über den Zusammenhang zwischen Alzheimer und dem Alter erfährst du auf dem YouTube Kanal von Josua Kohberg. Dort gibt es regelmäßig spannende Inhalte und interessante Brain Facts.


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