Erinnerungen beim Entstehen beobachten

Die Hirnforschung ist seit der frühen Geschichte der Medizin und Psychologie ein Studienfeld mit einem unerschöpflichen Potential an Themen und Fragen. Das Erinnerungsvermögen und die Erinnerungen, wie sie entstehen und warum sie bleiben oder vergessen werden, sind für die Demenzforschung, aber auch für die Therapie von traumatisierten oder depressiven Menschen und fürs Coaching relevant.

Erinnerungen – Entstehung und Speicherung

Freiburger Wissenschaftler haben herausgefunden, dass für die Entstehung und Speicherung von Erinnerungen, sowohl hemmende als auch erregende Nervenzellen aktiviert werden. Bislang galt die These, dass nur erregende Nervenzellen für die Gedächtnisbildung ausschlaggebend sind.

Neue Erinnerungen bilden sich täglich im Gehirn. Eindrücke aus dem Alltag, Gefühle und Informationen, werden abgespeichert und in Nervenzellgruppen als Aktivierungsmuster im Hippocampus gespeichert. Daraus bilden sich die episodischen Erinnerungen, die auf einer Kette von Ereignissen basieren. Häufig werden diese Erinnerungen durch bestimmte Abläufe oder räumliche Gegebenheiten wieder ins Bewusstsein geholt. Wenn du zum Beispiel als Kind die Ferien immer bei den Großeltern verbracht hast und ihr viel am Meer gewesen seid, dann wird dich ein Besuch am Strand, immer daran erinnern, auch wenn du selbst an diesem Strand mit den Großeltern eventuell gar nicht warst.

Synapsen spielen bei der Bildung von Erinnerungen eine ganz entscheidende Rolle. Professor Dr. Marlene Bartos und Thomas Hainmüller und ihr Team in Freiburg, haben in ihren Untersuchungen festgestellt, dass Synapsen ihre Strukturen verändern, wenn das Gedächtnis entsteht. Werden häufig gleiche Nervenzellen angesprochen, wenn sich eine Erinnerung bildet, dann werden diese Zellverbindungen mit der Zeit stärker.

Welche Gedächtnisarten entwickeln wir im Laufe unseres Lebens?

Mit der Geburt beginnt die Informationsflut. Neben dem, was wir intellektuell erfassen, prägt sich das Gehirn auch bestimmte Empfindungen in verschiedenen Situationen ein und bildet Erinnerungen natürlich auch aus Ereignissen und Erlebnissen. Daraus ergeben sich auch die unterschiedlichen Gedächtnisarten, die sich im Laufe des Lebens aufbauen. Kurz- und Langzeitgedächtnis, davon hast du sicher schon gehört. Daneben gibt es noch ein Arbeitsgedächtnis, ein Schmerzgedächtnis, das Emotionsgedächtnis und einige andere Erinnerungsbibliotheken, die wir bewusst oder unbewusst, jeden Tag verwalten, anwenden und erweitern.

Zusätzliche Kategorisierungen unterscheiden Erinnerungen noch nach Themen oder der Intensität der Wahrnehmung. So sind im deklarativen Erinnerungsvermögen beispielsweise die Erinnerungen an gelernte Fakten (also das, was wir als Allgemeinbildung bezeichnen) oder an Ereignisse wie dein letzter Geburtstag abgelegt, während die prozedurale Erinnerungsfähigkeit Erinnerungen ansammelt, die mit Abläufen zu tun haben. Hierunter fallen Tätigkeiten wie Fahrradfahren, Schwimmen, aber auch das Musizieren auf einem Instrument oder Auto fahren. Sind diese Dinge erst einmal gelernt, baut sich das prozedurale Erinnerungsvermögen unbewusst immer weiter aus. Vielleicht ging es dir als Fahranfänger auch so, dass du bei den ersten Fahrten allein, die Stimme deines Fahrlehrers im Hinterkopf hattest und die Abläufe wie in der Fahrschule durchgespielt hast. Irgendwann wurdest du sicherer und bald hast du über das Autofahren selbst gar nicht mehr nachgedacht, sondern kannst dich beim Fahren auf deine unbewussten Reaktionen verlassen.

Das prozedurale Erinnerungsvermögen ist auch für Körperreaktionen zuständig, die unbewusst einsetzen, wenn ein Impuls gegeben wird. Der Geruch in einer Bäckerei, lässt dir das Wasser im Mund zusammenlaufen oder der Gedanke an den Zahnarzt, eine Gänsehaut entstehen.

Formen lässt sich das deklarative Erinnerungsvermögen leichter, aber die Erinnerungen aus dem prozeduralen Gedächtnis bleiben leichter erhalten. Gelernte Vokabeln in einer Sprache, entfallen dir, wenn du die Sprache nicht anwendest, wie du Radfahren oder Schwimmen musst, weißt du aber auch nach sehr langer Pause vom Radfahren immer noch.

Mit positiven Gedanken, positive Erinnerungen erzeugen

„Die Entschlüsselung des Alterns“ ist ein beeindruckendes Buch von Elizabeth Blackburn und Elissa Epel. Es geht hier um den Telomer-Effekt. Mit dem Aufhalten des Alterungsprozesses hat dies nur bedingt zu tun, es geht mehr um die Begründung, dass jeder so alt ist, wie er sich fühlt. Wer sich gut fühlt, fühlt sich jünger – das ist eigentlich das ganze Geheimnis. Und in dem Buch geht es darum, wie positive Gedanken dafür sorgen können, dass du dich gut fühlst und wie sich das auf die Telomere auswirkt.

In den Neurowissenschaften ist das Thema „Positives Denken“ auch schon seit mehr als einem halben Jahrhundert präsent. Fürs Coaching und die Psychotherapie werden hier tolle Methoden herausgezogen und angewendet, die dich erfolgreicher, glücklicher und zufriedener machen können. Die Ursachenforschung in Bezug auf Burnout und Depressionen hat gezeigt, wie negative Gedanken dazu führen können, dass positives Denken regelrecht verlernt wird. In der praktischen Anwendung des positiven Denkens, kannst du sogar konkret Einfluss darauf nehmen, positive Erinnerungen zu schaffen. Denn Grundlage für die verschiedenen Methoden des positiven Denkens, ist eine bewusstere Wahrnehmung und gezielte positive Sicht auf die Dinge. Das bedeutet, wenn du beispielsweise durchs Reframing einen Zusammenhang in einen positiven Rahmen setzt, wirst du die Situation anders wahrnehmen und daher auch nicht mit negativen Empfindungen besetzen. In der Erinnerung bleibt die Situation also positiv.


Mehr über die Entstehung von Erinnerungen erfährst du auf dem YouTube Kanal von Josua Kohberg. Dort gibt es regelmäßig spannende Inhalte rund ums Thema Gehirn.


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