Angst ist eine scheiß Idee…

Angst vor Spinnen – Existenzangst – Verlustangst – Höhenangst – Angst, allein zu sein – Angst vor dem Tod – Angst vor engen Räumen… Es gibt viele, wenn nicht sogar unzählige Dinge, vor denen wir Menschen Angst haben. Welche sind es bei dir? Hast du Themen, die dir Angst machen?

Eine Frage, die in der aktuellen Situation und Lage vermutlich viele Menschen einstimmig mit „JA“ beantworten würden. Denn Angst ist mindestens genauso ansteckend wie das Coronavirus selbst. Warum? Wenn eine neue Gefahr auftaucht, verfallen viele Menschen in Panik. Um so wichtiger ist es zu verstehen, wie diese Angst überhaupt entsteht.

Tägliche Berichterstattung über Neuinfektionen, drastische Vorsorgemaßnahmen und steigende Todesraten – momentan erhalten wir ständig Signale, die eine Bedrohung erwarten lassen. Und das schlimmste daran – wir können die Bedrohung bewusst gar nicht einschätzen. Und auf diese mögliche Bedrohung reagiert unser Stammhirn hochsensibel und unglaublich schnell. Du kannst gar nicht so schnell denken, wie du die Panik fühlst.

Ängstlich oder furchtlos?

Doch warum ist die Angst nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt? Warum fürchten sich einige Menschen vor allem und andere bleiben selbst in Extremsituationen ruhig? Neurologen haben entdeckt, dass die Ursache vermutlich in konkurrierenden Hirnregionen liegt.

In unserem Gehirn konkurriert scheinbar ein Schaltkreis für Angst und Flucht mit einem zur Furchtunterdrückung. Je nachdem, welche der beiden Funktionen bei einem Menschen die Oberhand hat, entsteht ein ängstlicher oder ein furchtloser Charakter. Das schließen Wissenschaftler aus Hirnscans, die während simulierten Angstsituationen entstanden sind. Während ängstliche Menschen häufig bereits bei kleinen Problemen übermäßig starke Ängste entwickeln, ist anderen Angst völlig fremd. Diese Personen bleiben auch im Angesicht von Katastrophen ruhig oder zeigen sogar Leichtsinn in Situationen, in denen Angst sie schützen würde.

Das internationale Forscherteam um Sonia Bishop von der University of California in Berkeley zeichneten die Hirnaktivität und den Hautwiderstand auf. Was sie herausfanden: das Zusammenspiel von zwei Hirnregionen entscheidet über die „gefühlte“ Angst. Ängstliche Menschen waren sehr „Stammhirn“ gesteuert. Sie waren nicht in der Lage, ihre Ängste rational zu erfassen oder zu bewerten. Die weniger ängstlichen Probanden waren in der Lage, ihre Angst bewusst zu  kontrollieren. Und sobald Ängste rational kontrolliert werden, verändert sich die Wahrnehmung der Angst. Sie wird weniger bedrohlich, sie wird spürbar leichter und wir sind plötzlich in der Lage, trotz Angst wieder bewusste Entscheidungen zu treffen.

Angst als Schutzmechanismus

Das Coronavirus lässt unser Angst-Gehirn anspringen und schaltet in den „Bedrohungsmodus“. Diese Reaktion hat uns Tausende von Jahren als Schutzmechanismus gedient. Jedoch sollten wir uns immer wieder die Frage der Verhältnismäßigkeit stellen. Denn als Menschen haben wir die Fähigkeit, überlegt und rational zu entscheiden und dann auch zu handeln. Denn Panik ist absolut kein guter Ratgeber und auch garantiert nicht die Lösung für das Coronavirus. Denn was natürlich kontraproduktiv ist – wenn die Angst so groß wird, dass wir nicht mehr handlungsfähig sind.

Schauen wir uns dazu einige Beispiele an. Wer unter einer Phobie leidet, wird durch diese Angst so im Griff gehalten, dass er nicht mehr frei entscheiden kann. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes „in die Knie gezwungen“. Viele Schüler haben schlechte Noten, einfach nur, weil sie Angst vor Prüfungssituationen haben. Es gibt Tausende von Sportlern, die im Training überragende Ergebnisse erzielen und doch in der Wettkampfsituation versagen. Warum? Ganz einfach, weil sie Angst haben.

„Keine Panik“ – funktioniert bei Menschen nicht

Doch warum nützt der Appell „kein Grund zur Panik“ meist nichts? Das liegt daran, dass wir viel schneller fühlen und so unser Vernunft-Gehirn ausschalten. Obwohl wir also rational schon längst verstanden haben, dass die Risikogruppe des Coronavirus bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschädigten Immunsystem liegt, laufen wir in die Panik.

Zum anderen kennt unser Gehirn keine Verneinungen und so bleibt bei der Aussage „kein Grund zur Panik“ oftmals nur das Wort „Panik“ hängen.

Weg aus der Panik

Um einen Ausweg aus der Panik zu finden, empfehlen wir dir die folgenden drei Schritte:

  • Entspanne dich (ganz bewusst, nimm’ dir Zeit)
  • Analysiere mit kühlem Kopf, was du momentan WIRKLICH tun kannst (z.B. regelmäßiges und gründliches Hände waschen)
  • Lenke dich mit etwas ab, das dir Freude bereitet

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