Wie du zum Macher wirst

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

Das Sprichwort kennt sicherlich jeder von uns – doch nicht immer schaffen wir es, uns auch daran zu halten. Auch das kennt bestimmt jeder. Vor allem wenn wir mit schwierigen Aufgaben konfrontiert werden, beschäftigen wir uns lieber mit einfacheren Dingen, statt sich dem aktuellen Problem zu widmen. Anders ausgedrückt: wir Menschen lieben es, Dinge aufzuschieben. Sei es die Steuererklärung, der Hausputz oder ein unangenehmes Gespräch – solchen Dingen gehen wir lieber erstmal aus dem Weg. Solange, bis sie sich eben nicht mehr aufschieben lassen und negative Folgen unausweichlich wären.

Doch woran liegt das eigentlich? Schuld daran könnten unsere Gene sein. Das fanden Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dresden mit genetischen Analysen und Fragebögen heraus. Demnach geht der Hang zum Aufschieben mit der genetischen Veranlagung einher, einen höheren Dopaminspiegel im Gehirn zu besitzen. Zumindest bei Frauen. Bei Männern konnte dieser Zusammenhang nicht festgestellt werden. „Der Botenstoff Dopamin ist in der Vergangenheit immer wieder mit einer erhöhten kognitiven Flexbilität in Verbindung gebracht worden. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber geht oftmals mit einer erhöhten Ablenkbarkeit einher“, sagt Dr. Erhan Genç aus der Bochumer Abteilung für Biopsychologie. In der Zeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience berichtet die Forschungsgruppe über die Studie und deren Ergebnisse.

Aufbau und Ergebnisse der Studie

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten die genetische Ausstattung von 278 Probanden – darunter 143 Männer und 135 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren. Alle Teilnehmer mussten vorab einen Fragebogen zur Feststellung ihrer neurologischen und psychologischen Gesundheit ausfüllen. Teilnehmer mit vorhergehenden Erkrankungen in diesen Bereichen wurden aus der Studie ausgeschlossen.

Die Forschungsgruppe interessierte sich vor allem für das sogenannte TH-Gen der Probanden, das das Level des Botenstoffes Dopamin in unserem Gehirn bestimmt. Außerdem erfasste das Team anhand verschiedener Fragen, wie gut die Probanden ihre Handlungen kontrollieren können.

Das Ergebnis: Frauen mit einer schlechteren Handlungskontrolle besaßen die genetische Veranlagung für ein höheres Dopaminlevel. Dopamin scheint demnach einen entscheidenden Einfluss darauf zu haben, ob und wie gut wir eine Handlungsabsicht aufrechterhalten können. Bereits in früheren Studien wurde der Botenstoff mit einer erhöhten kognitiven Flexibilität in Zusammenhang gebracht, die es uns erschwert, an einer Handlung dran zu bleiben. „Frauen, die aufgrund ihres Genotyps einen höheren Dopaminspiegel haben, könnten also eher dazu neigen, Handlungen aufzuschieben, weil sie sich stärker von Umwelteinflüssen und anderen Störfaktoren ablenken lassen“, sagt Doktorandin Caroline Schlüter.

Ausblick

In weiteren Studien will das Forschungsteam untersuchen, inwiefern der Östrogenspiegel einen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen dem TH-Gen (das das Dopamin-Niveau bestimmt) und der Handlungskontrolle hat. Denn Östrogen beeinflusst indirekt die Dopamin-Produktion im Gehirn und erhöht so die Anzahl bestimmter Nervenzellen, die auf Signale aus dem Dopaminsystem reagieren. Der Biopsychologe Dr. Erhan Genç sagt, dass Frauen dadurch empfänglicher für genetisch bedingte Unterschiede im Dopaminlevel sein könnten, was sich wiederum im Verhalten niederschlägt.

Mehr über die Studie erfahren…


Ertappst du dich auch öfter dabei, wie du bestimmte Dinge immer und immer wieder aufschiebst? Dann empfehlen wir dir unsere „Disziplin Box“ – eine Mental Training Trilogie, die dir dabei hilft, die aufgeschobenen Dinge endlich mal anzupacken und durchzuziehen. Sei kein Aufschieber, werde zum Macher!


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